Studie deckt auf: Schlechte Patientenversorgung in Krankenhäusern
Verfasst von Heike am 24. Juli 2007
Kennen Sie das? Ein älterer Angehöriger liegt im Krankenhaus, Sie besuchen ihn und sind fassungslos, wie “da gepflegt wird”.
Auf dem Nachttisch steht eine geschlossene Wasserflasche, das Glas ist leer. Und das, obwohl Ihr Angehöriger nicht in der Lage ist, die Flasche zu öffnen und sich selbst ein Getränk einzuschütten.
Oder Sie stellen fest, dass Ihr verwirrter Angehöriger mit den Händen ans Bettgitter gefesselt ist. Auf Ihre Nachfrage erfahren Sie: “Der ist so unruhig, dass er sich immer alles rauszieht. – Das ist zu seinem Schutz.”
Als wären diese Erlebnisse für den Einzelnen nicht schon schlimm genug, steht jetzt fest: Solche Vorfälle sind keine Einzelfälle!
Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) ist eines der führenden Pflegeforschungsinstitute in Deutschland. Das dip führt Projekte und Studien im Pflegewesen durch und gibt regelmäßig das repräsentative Pflege-Thermometer heraus.
Im Pflege-Thermometer 2007 wurden die Folgen des Strukturwandels in bundesdeutschen Krankenhäusern untersucht. Die zentrale Fragestellung war: Wie wirkt sich der Strukturwandel (insbesondere Abbau des Pflegepersonals) auf die Patientenversorgung im Krankenhaus aus?
Und die Studie ergab, was alle, die in letzter Zeit mit Krankenhäusern zu tun hatten, wahrscheinlich schon erlebt haben:
- Umlagerungen, Mobilisationen, Schmerzmittelverabreichungen und Überwachungen von operierten Patienten können nicht mehr in jedem Krankenhaus optimal gewährleistet werden.
- Die Anzahl der Beschwerden von Patienten und Angehörigen über die Versorgung nimmt in jedem 5. Krankenhaus zu.
- 40 % der befragten Krankenhäuser rechnen zukünftig nicht mit einer Verbesserung ihrer pflegerischen Qualität. Es wird sogar ein weiterer Stellenabbau in der Pflege erwartet.
- 30 % der Krankenhäuser gibt an, dass ihre Möglichkeit eine ausreichende Versorgung in der Pflege anzubieten, in den letzten 2 Jahren gesunken sei.
- 70 % können die grundpflegerische Versorgung und eine regelmäßige Lagerung der Patienten nicht vollständig gewährleisten.
- In gut 75 % der Krankenhäuser kommt es vor, dass Patienten länger als 15 Minuten auf eine notwendige Verabreichung von Schmerzmitteln warten müssen.
- Nur 25 % der Einrichtungen kann immer eine engmaschige Kontrolle von Patienten, z. B. nach einem operativen Eingriff, gewährleisten.
Nach einer aktuellen Studie des Instituts der Universität Bielefeld haben 10 bis 15 % der Patienten in Krankenhäusern Anzeichen von Demenz.
Die Krankenhäuser seien jedoch gar nicht auf die speziellen Bedürfnisse Demenzkranker eingestellt. Das führt zu einer schlechten Versorgung. Das knapp besetzte Personal sei mit den teilweise extrem unruhigen Patienten oft überfordert.
Demenzkranke würden deshalb mit „freiheitseinschränkenden Maßnahmen“ wie Bauchgurten im Bett oder Medikamenten ruhiggestellt.
Auch würden die Einschränkungen der Menschen wie geistige Verwirrtheit und Unruhe bei der Behandlung und Pflege in den Kliniken nicht ausreichend berücksichtigt.
Weitere Informationen erhalten Sie auf www.dip-home.de
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