Streit um Tierhaltung in Altenheim
Verfasst von Heike am 3. April 2008
Am 31.03.08, zeigte die WDR-Lokalzeit Aachen den Bericht „Streit um Tierhaltung im Altenheim”.
Diesen Bericht sollten Sie sich in der Mediathek des
anschauen, bevor Sie hier weiterlesen. (Zum Filmbeitrag kommen Sie, indem Sie auf das WDR-Logo oder auf „Mediathek” klicken - es öffnet sich dann ein neues Fenster.)
Mich erbost diese Situation in zweierlei Hinsicht:
- Ich rege mich über Frau Dr. Konteye, Ärztin für Hygiene und Umweltmedizin und Leiterin des Kreisgesundheitsamtes Aachen, auf. Glaubt man ihren Ausführungen im Interview, ist jedes Haustier ein Infektionsrisiko, vor dem man sich und andere unbedingt schützen muss.
- Die Einrichtung, vertreten durch die Heimleiterin, Frau Gorski, geht den Weg des geringsten Widerstandes und lässt die betroffenen Bewohnerinnen damit im Regen stehen.
Vor meinem inneren Auge spielen sich nun zwei Szenarien ab:
Szenarium 1: Die Ärztin des Gesundheitsamtes hat ein übertriebenes Hygienebedürfnis, das mit jeder Art von Tierhaltung nicht vereinbar ist.
Sie verwechselt das Heim mit einem Krankenhaus und setzt zu hohe Hygieneanforderungen voraus. Dies schränkt zwangsläufig die Lebensqualität der Bewohner ein. Ist aber egal, weil das Motto ist: Hauptsache hygienisch rein. - Also sauber ist eben nicht genug.
Es ist aber hinreichend bekannt, dass übertriebene Hygieneanforderungen alles andere als der Gesundheit dienlich sind. Denn unter anderem kommen daher die sogenannten „resistenten Keime” in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.
Gegen diese Sichtweise spricht natürlich, dass die Bewohnerin Frau Rappe ihren Charly behalten darf.
Was mich aber besonders irritiert, ist die Kälte, mit der Frau Dr. Konteye ihren Standpunkt vertritt. Kein Wort dazu, dass sie auch nur Verständnis dafür hätte, wie furchtbar ihre Auflage für die beiden Bewohnerinnen ist. Vielmehr malt sie ein Schreckensbild möglicher Infektionen durch die Tiere.
Szenarium 2: Der Heimleiterin kommt die Rüge des Gesundheitsamtes ganz recht. Denn scheinbar will sie gar nicht dafür sorgen, dass die Zimmer der Bewohnerinnen angemessen sauber gehalten werden.
So kann man sich natürlich auch Bewohner ins Haus holen. Es wird mit einer Leistung geworben, die letztlich nicht erbracht wird. Die Tiere werden dann eben später einfach „entsorgt”.
Mit dem „tierbedingten Reinigungsmehraufwand”, lässt sich eben kein Geld verdienen…
Es ist traurig, wenn ein Heim mit einer Leistung wirbt, die nur halbherzig erbracht wird. Denn es gibt immer Lösungen! Es gab auch für Frau Rappe eine Lösung.
Warum also, hat sich die Heimleiterin nicht um Folgendes gekümmert:
- Kontaktaufnahme mit Schulen und / oder Gemeindemitgliedern, die sich bereit erklären, Hund und Katze ehrenamtlich zu versorgen (Gassi gehen, Katzenklo reinigen).
- Erhöhung des Reinigungsintervalls in den beiden Bewohnerzimmern. Oder einfach nur Intensivierung der täglichen Reinigung der beiden Zimmer.
- Das Interview mit der Ärztin zeigt, dass es nicht darum ging, die Tiere in einem anderen Raum unterzubringen. Es ging darum, dass die Räume verdreckt waren!
Was ist das für eine Heimleitung, die nicht dafür sorgen kann, dass die Bewohnerzimmer ordentlich gereinigt werden? - Ja, viel schlimmer, die sich nicht in der Lage sieht, dafür zu sorgen?
Aus meiner Sicht sollte man der Einrichtung verbieten, weiterhin mit Tierhaltung um die Gunst potenzieller Bewohner zu werben. Gleichzeitig sollte man auch verbieten, in Zukunft noch Bewohner mit Tieren aufzunehmen.
Offensichtlich ist dort ja niemand in der Lage, eine ordnungsgemäße Haltung und Versorgung zu organisieren. Da ist es doch besser, wenn ein zukünftiger Bewohner das von vornherein weiß. Dann kann er sich um die Weiterversorgung seines Tieres adäquat kümmern und sich ggf. auch für ein anderes Haus entscheiden.
Einrichtungen, die Tierhaltung erlauben, arbeiten in der Regel mit einem Tierhaltervertrag. In diesem Vertrag ist dann geregelt, welche Impfungen und Untersuchungen von der Einrichtung vorgeschrieben werden, um die Tierhaltung zu ermöglichen. Welche Versicherungen ggf. erforderlich sind und wie die Versorgung aussehen soll, wenn sich der Bewohner selbst nicht mehr um die Tiere kümmern kann.
Ist das in diesen Fällen versäumt worden oder bricht die Einrichtung den Vertrag, indem sie sich hinter dem Kreisgesundheitsamt versteckt?
Ich bin empört, dass so etwas so einfach möglich ist!


3. April 2008 um 4:31 Uhr nachmittags
Hallo,
ich bin echt sauer-das grenzt ja an Betrug-Vortäuschen einer sache ,die letztendes doch nicht so ist……….Ehrlich-Ne
Nanni
3. April 2008 um 4:45 Uhr nachmittags
Hallo Nanni,
das Problem ist, dass die Bewohnerinnen sich selbst nicht mehr wehren können!
Die 17jährige Hündin ist jetzt hier in Aachen im Tierheim. Leider ist es eine Hündin. Geschlechtsgenossinnen mag Canelita so gar nicht. Da ist sie echt zickig.
Aber wir hatten tatsächlich überlegt, den Hund zu uns zu holen. Ich hoffe, dass sie jetzt nicht aufgrund ihres Alters und der plötzlichen Trennung stirbt.
Das hoffe ich übrigens auch bei den beiden Bewohnerinnen. Sowas kann alten Menschen ja völlig den Lebensmut rauben.
Wer sollte dann die Todesanzeigen auf den Tisch geknallt kriegen? Die Leiterin des Gesundheitsamtes oder die Heimleiterin? - Am besten beide!!
Grüße Heike
PS.: Mit der 16jährigen Katze und Canelita geht ja gar nicht!
3. April 2008 um 5:54 Uhr nachmittags
Ich sehe nicht wirklich ein Problem darin, Tierhaltung in Heimen zu ermöglichen.
Sicher, der derzeitige Mitarbeiterschlüssel ist so nicht ausgelegt, auch die die Tiere der Bewohner zu versorgen, aber es gibt genügend andere Möglichkeiten, diese Tätigkeiten ab zu decken.
Den Heimbewohnern, die sich für ein Leben mit Tieren entscheiden, sollte dieses auch möglich gemacht werden.
Veränderung von Konzepten und Leitfäden, eigene Tierhaltung der Einrichtung fördert soziale Kompentenz und schafft wohl tuende Lebensaufgaben, strukturiert den Tagesablauf, macht den letzten Lebensabschnitt eines Menschen lebenswert.
Krankheiten , übertragen durch Tiere, dürfte weniger häufig vorkommen, wie Krebs durch Umweltgifte, Strahlen ect.
Sehr viele Menschen würden lieber in einer Einrichtung leben, in der Tierhaltung erwünscht ist und es sicher möglich, Vieles zu kombinieren .
Wo ein Wille ist, ist auch die Umsetzung eines entsprechenden Konzeptes möglich.
Für mich ist jetzt schon klar, wenn jemals Heim, dann nur mit Tieren.
4. April 2008 um 2:19 Uhr nachmittags
Ich finde eine derartige Vorgehensweise nicht nur ärgerlich, sondern geradezu skandalös.Es ist Bauernfängerei, wenn nicht Betrug, wenn mit unlauteren Mitteln geworben wird.
Ein viel gravierender Umstand ist jedoch das, was sich bei denBetroffenen in der Seele abspielt. Schließlich haben die ihr Vertrauen in die Zusage der Tierhaltung gesetzt, um sich von langjährigen Wegbegleitern nicht trennen zu müssen.
Möglichkeiten der Tierversorgung gibt es sicher genügend, angefangen bei Schülern, Ehrenamtlern etc. Es ist wirklich nur eine Frage des Wollens, dann gehts auch. Das Infektionsrisiko bei einem Haustier schätze ich um ein vielfaches kleiner ein als bei jedem Krankenhausaufenthalt.
5. April 2008 um 12:15 Uhr nachmittags
Hallo!
Was mich etwas stutzig macht, ist, dass bei zwei Frauen die Tiere wegen mangelnder Hygiene fort genommen werden. Die dritte Frau hat, wie es scheint, noch einige soziale Kontakte - ergo Besuch. Sie selbst wird im Rollstuhl sitzend nicht mehr den Fußboden putzen…
Heißt das nun, dass dieses Zimmer gründlicher geputzt wird, weil hier Aussenstehende sonst die unzureichende Hygiene bemängeln würden?
Anderer Aspekt: wenn so viele Tierhaare im Zimmer der Patientinnen sind - wann wurde sie zuletzt geputzt?
Nachdenkliche Grüße
Silke
5. April 2008 um 4:13 Uhr nachmittags
Hallo,
genau dieser Aspekt spukt mir auch im Kopf herum.
Wenn die Zimmer regelmäßig ganz normal bearbeitet werden, dürfte da auch kein Zustand zustande kommen, der sooo unhygienisch sein soll. Ein bisserl Katzenstreu vor dem Kistchen ist doch normal, wenn die Katze dort ihre wichtigen Geschäfte verrichtet.
Würde mich brennend interessieren, was da nun wirklich dahinter steckt, den Bewohnerinnen und ihren Viecherln so ein sinnloses Leid an zu tun.
Wir leben übrigens schon immer sehr eng mit Tieren zusammen , aber krank ist dadurch noch Niemand von uns geworden
Traurige Grüße
Brigitte
5. April 2008 um 5:11 Uhr nachmittags
Hallo,
mittlerweile bin ich auch davon überzeugt, dass nicht das Gesundheitsamt der “Übeltäter” ist, sondern das Heim.
Es ist nicht gerade eine Auszeichnung für eine Einrichtung, wenn scheinbar nur die gut versorgt werden, die Zusatzleistungen bezahlen können oder aber Angehörige haben, die sich für sie einsetzen.
Aber ich finde auch, dass die Heimleitung in dem Beitrag nicht gerade einen zerknirschten Eindruck macht, als würde es ihr Leid tun, was da passiert ist. Ich hatte eher den Eindruck, dass sie erleichtert ist, die Tiere los zu sein. Nun muss sie sich halt rechtfertigen, da kommt das Gesundheitsamt vielleicht ganz gelegen.
Grüße Heike
PS.: Hier noch ein (sehr kurzer) Bericht aus unserer Lokalzeitung: Aachener Zeitung
9. April 2008 um 6:07 Uhr nachmittags
[...] Weiter zum Beitrag » Streit um Tierhaltung in Altenheim [...]
9. April 2008 um 6:33 Uhr nachmittags
Anmerkung der Redaktion:
Auch ich bin empört, besser gesagt verärgert!
Bevor man einem alten, kranken Menschen sein liebgewonnes Haustier nimmt - ist immer ein anderer Weg möglich. Was ich zum Vorwurf zur Verunreinigung der Zimmer denke, behalte ich lieber für mich… Ich hoffe nur, dass die Bewohner in Zukunft noch Besuch empfangen dürfen, denn der verunreinigt die Räumlichkeiten ja auch…
Detlef Klemme
Chefredakteur im Medienverbund
BLiCKpunkt Redaktionsbüro
9. April 2008 um 7:13 Uhr nachmittags
das ist ein echte sauerei! zuerst die zimmer versauen und dann den alten frauen das leben. tolles konzept!
die heimleiterin ist aber auch…. wenn ich mich da bewerben würde und bei der das vorstellungsgespräch hätte - ich wüsste, was ich tu: abhauen und nicht mehr wiederkommen. wer will denn unter so einer arbeiten?
es grüßt mal wieder die
hexe
9. April 2008 um 8:41 Uhr nachmittags
Hallo Hexe,
da bist Du ja mal wieder. *freu*
Ich gebe Dir Recht, wahrscheinlich würde es nicht viel Spaß machen da zu arbeiten
Grüße Heike
Hallo Herr Klemme,
ich denke auch, dass da eine bessere Lösung möglich gewesen wäre. Aber man muss eben Mensch und Tier mögen, damit man sich auch anstrengt.
Wenn es nur ums schnelle Saubermachen geht, weil das billiger ist, bleiben beide auf der Strecke…
Grüße Heike Bohnes
2. Mai 2008 um 8:47 Uhr vormittags
[...] um Tierhaltung im Altenheim - Teil 2 Ich habe ja bereits HIER darüber berichtet, dass 2 alten Damen im Pflegeheim aus hygienischen Gründen der 16jährige Hund [...]
3. Mai 2008 um 11:23 Uhr vormittags
Hallöle,
das ist ja in der Tat ein trauriges Thema geworden.
Man könnte fast meinen, einige Leute würde Tiere generell und überhaupt abschaffen wollen.
Irgendwie tut es mir auch leid, um den ganzen Zeiteinsatz seitens einer Behörde, der auch noch von unseren Steuergeldern finanziert wird.
Tiere gehören zu unserem Leben und sollten dies auch weiterhin sein, auch wenn wir auf Hilfe angewiesen sind oder gar in einer Einrichtung leben.
Jeder Mensch, der mit anderen Menschen in Kontakt kommt, könnte irgendwelche Krankheiten übertragen, eagl, ob ein Tierhaltern mit dabei war oder nicht.
Sollen wir uns Alle komplett in Ganzkörperkondome packen, statt duschen, desinfizieren? Und welche Beschwerden würden dann dadurch wieder hervorgerufen?
Lassen wir doch den Senioren ihre Tierchen und freuen wir uns ganz einfach mit ihnen, daß es sie ihren Lebensabend zusammen verbringen dürfen.
Es gibt wirklich andere Probleme, die sinnvoller Weise beseitigt werden sollten, anstatt mit der , eh schon stark reduzierten ,Tierhaltung im Pflegeheim, sinnlos die Zeit zu vertun, um diese gänzlich aus zu schalten und Mensch und Tier Leid zu zu fügen durch die gewaltsame Trennung.
Ich kann nur hoffen, daß es bei diesem traurigen Einzellfall bleibt und nicht Bundesweit ein Politikum daraus entsteht.
Traurige Grüße
Brigitte
4. Juli 2008 um 10:47 Uhr vormittags
Ich kenne das Haus und eine dortige Bewohnerin, die ein Zimmer neben der Dame, der der Hund gehörte, bewohnt. Als der Hund noch in der Einrichtung lebte, hat sie mir mehrfach von häufigem und anhaltenden Bellen des Hundes berichtet. Das Gebell dürfte auch anderen Bewohnern und Mitarbeitern nicht entgangen sein. So mancher mag sich vieleicht bei der Heimleitung beschwert und somit für Unruhe gesorgt haben?
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…???
Eine “Expertise” des Gesundheitsamtes als Grund für die Wegnahme eines geliebten Haustieres lässt sich argumentativ immerhin besser verkaufen als lediglich lautes Hundegebell…
Und die Heimleiterin kann “reinen Gewissens” jegliche Verantwortung von sich weisen.
Übrigens: Das seitens der Einrichtung inszenierte tägliche Reinigungsprozedere, dem beizuwohnen ich gelegentlich das zweifelhafte Vergnügen habe, gleicht eher einer kurzen und schlechten Comedydarbietung denn einer professionellen und den hygienischen Anforderungen des Gesundheitsamtes entsprechenden Zimmerreinigung.
Vermutlich kaum oder gar nicht geschulte (Kurzzeit-)Mitarbeiterinnen der betreiber-eigenen “Service GmbH” schieben höchst unmotiviert und meist wortlos einen Wischmop sorgsam um jedes Möbelstück und jeden eventuell im Weg liegenden Teppich herum, an dessen Rändern dann gerne der zuvor aufgewischte Staub, Haare, Krümel etc. hängen bleiben.
Solch eine “ambitionierte” Service-Leistung der Einrichtung muss natürlich mit zusätzlichen Erschwernissen, wie z.B. Tierhaaren, Katzenstreu ö.ä. gänzlich überfordert sein.
Leider ist es ein strukturelles Merkmal dieses Heims, dass Probleme grundsätzlich nicht dort gelöst werden, wo sie entstehen, sondern immer dort, wo es vordergründig am einfachsten erscheint: auf dem Rücken der Bewohner, von deren Seite wohl der geringste Wiederstand erwartet wird.
4. Juli 2008 um 11:39 Uhr vormittags
Hallo Marion,
damit bestätigst Du ja unsere Vermutungen, die wir hier geäußert haben.
Und weil wir uns auch gut kennen, weiss ich, dass Du eine solche Behauptung nicht aufstellen würdest, wenn sie nicht Hand und Fuß hätte.
Danke für die ehrlichen Worte
Heike