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Informationen und Geschichten aus dem Alltag einer Pflegesachverständigen

Gibt es ab 2010 fünf Pflegestufen?

Verfasst von Heike am 22. Januar 2009

Im April letzten Jahres habe ich HIER bereits über den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff berichtet. Nun ist die Studie abgeschlossen und das Ergebnis ist zunächst einmal erfreulich:

Gemäß des Abschlussberichts der Hauptphase I des „Modellprojekts zur Schaffung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und eines neuen Begutachtungsassessments“ sollen die Pflegestufen stärker differenziert werden.
Pflegebedürftigkeit soll neu definiert werden. Es soll nicht mehr der Hilfebedarf, sondern die „gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit„, die eine personelle Hilfe in den Bereichen

  • Mobilität,
  • Bewältigung  psychischer Anforderungen und Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung krankheitsbedingter Anforderungen und Belastungen, sowie
  • Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte

im Mittelpunkt der Begutachtung stehen.

Das neue Begutachtungsinstrument soll diese Aspekte erfassen und zu einer Untergliederung der Pflegebedürftigkeit in 5 Stufen führen:

  • Stufe P1: geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Stufe P2: erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Stufe P3: schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Stufe P4: schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Stufe P5: besondere Bedarfskonstellation.

Damit soll zum einen gerontopsychiatrisch veränderten Menschen (Demenz) Rechnung getragen werden. Zum anderen sollen aber auch die Hilfebedürftigen, die heute keinen Anspruch auf eine Pflegestufe – trotz Hilfebedarf – haben, eine Einstufung erhalten.

Das Leistungsvolumen der Pflegeversicherung wird sich aber aufgrund des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs nicht erhöhen. Das heißt, dass dann zwar der einzelne eher eine Pflegestufe erhält, die Pflegebedürftigen aber geringere Leistungen erhalten werden, als bisher.
Die Diskrepanz zwischen den tatsächlichen Kosten der pflegerischen Versorgung und den Leistungen der Pflegeversicherung würde größer. Das heißt der Eigenanteil bei der „Teilkaskoversicherung zur Pflege“ wird erhöht.

Die Regierung wird sich in diesem Jahr jedenfalls nicht mehr mit dem Thema beschäftigen. Denn es ist schließlich Wahljahr… Da haben unsere Politiker schließlich „wichtigere“ Probleme.
Außerdem hatten wir doch gerade erst eine „wahlfördernde“ Reform, bei der die Leistungen zumindest geringfügig erhöht wurden….

Vielleicht wird unsere zukünftige Regierung dann einen anderen Weg suchen, als den, der durch das Ergebnis des Modellprojekts aufgezeigt wird. – Schade um die Mühen der Beteiligten!

Insgesamt befürchte ich, dass sozialpolitisch immer mehr auf ehrenamtliche und niederschwellige (vor allem ausbildungsmäßig!) Angebote zurück gergiffen wird. Ist ja auch kein Wunder!
Für die Förderung der Autoindustrie ist – woher auch immer – Geld da, für die alten, schwachen, wahrscheinlichen Nichtwähler (da zu krank) muss man sich als Politiker nicht wirklich in die Eisen stemmen…

Fortsetzung folgt……

6 Antworten zu “Gibt es ab 2010 fünf Pflegestufen?”

  1. Oliver sagte

    Interessanter Beitrag, ich werde wohl öfter vorbeischauen :)

  2. Heike sagte

    Hallo Oliver,
    freut mich! Hier ist schließlich jeder als Leser und auch als Kommentator Willkommen!
    Gruß Heike

  3. [...] wird die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und weiterer Pflegestufen (s. HIER) wahrscheinlich zu Mehrkosten von bis zu 3,6 Milliarden € verursachen. Die Kosten für notwendige [...]

  4. [...] 2009 Ulla Schmidt war beinahe wild entschlossen, nach der Bundestagswahl 5 Pflegestufen (siehe HIER) in Deutschland einzuführen. Nur die Finanzierung des finanziellen Mehrbedarfs sollte noch [...]

  5. Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit; finde ich wichtig in der Einstufung zu berücksichtigen.
    Haben wir lange darauf warten müssen.
    Aber wer zahlt dies in 10 Jahren, wenn die Töpfe leer sind?
    Langfristige und nachhaltige Pläne zur Gesamtstruktur der Bedarfe von Hilfen müssen her. Was ist, wenn es in 10 J. nicht mehr genügend junge Menschen mit professioneller Ausbildung gibt?
    Wer hilft mir, die keine dicke Rente bezieht und keinen eigenen Wohnraum besitzt, im Alter? Wichtig wäre zunächst einmal wieder ein Bewusstsein in der Bevölkerung für gegenseitige Unterstützung zu schaffen.

    • Heike sagte

      Hallo Barbara,

      zunächst einmal wieder ein Bewusstsein in der Bevölkerung für gegenseitige Unterstützung zu schaffen

      Bewegen wir uns mit den Zielen der neuen Regierung nicht gerade in die entgegen gesetzte Richtung?
      Grüße Heike

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